Erinnerungsorte // BernsteinWorte

 

Ein Nord-Süd-Diwan zwischen Elbe, Neiße und

Bernsteinworte! 

Was verbindet die legendären Bernsteinstraßen mit der Kunst des Brotbackens, der Schachtradition und der Kunst der Landschaftsgärtnerei? Als einzigartige Erinnerungsorte zählen sie alle zum UNESCO-Weltkulturerbe und zeugen von einem breiten kulturhistorischen Spektrum in Sachsen-Anhalt und Deutschland. Die „Bernsteinworte“ nehmen Bezug auf die Welterbestätten Sachsen-Anhalts, auf unser Beheimatet-Sein, auf Blickwechsel, Gehen und Bleiben zwischen Mitteldeutschland und Orient, Nord und Süd, historisch und aktuell, musikalisch und transkulturell.
Die Alltagsbezüge und die Verbindungen all der Erinnerungsorte ins Heute sind vielfältig, teils unterbewertet oder vergessen, aber meist überraschend und spannend - verewigt wie in ungeschliffenen Bernsteinen, den Tränen der Heliaden, die schon Euripides und Homer besangen. Magdeburger Autor*innen möchten Geschichten dieser Erinnerungsorte in Bernsteinworte gießen, die Welterbestätten als Reservoir neuer Texte nutzen, die neugierig machen auf die Welterbestätten Sachsen-Anhalts und deren reiches interkulturelles Erbe weit über deren physische Präsenz hinaus.

Hier knüpfen wir an und wollen Beziehungen herstellen - zwischen der "Zeit-Vertikalen" und dem Heute: Welche Einflüsse unser historisches und literarisches Erbe auf die Kulturlandschaften der touristischen Klassiker haben, welche Verbindungen, welche "Geschichten dahinter" zwischen Wische und Wörlitz, dem Huy und Bad Muskau zu entdecken sind. Dem nähern sich die Autor*innen Charlotte Buchholz, Mieste Hotopp-Riecke und Ammar Awaniy mit ihren Texten. Die Erzählungen und Essays sind ein staunender Blick der Begeisterung zurück in die interkulturelle Geschichte Mitteldeutschlands und die inspirierende, aufregende Vielfalt der Gegenwart unserer Heimat. In neun Ausflügen, in neun neuen Geschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart machen die literarischen Streifzüge zwischen Arabien, Abessinien und Brandenburg-Preußen, zwischen der Altmark, Tatarstan und der Lausitz Lust auf mehr:

Entlang einer 1000jährigen Vertikalen zwischen Alltagskultur und historiografischer Recherche spüren die drei Autor*innen in verschiedenen Zeitebenen Geschichten nach auf den Spuren der Bernsteinstraßen zwischen Ostsee und Orontes, Geschichten, die – erst noch rau und trüb – in den letzten Monaten ihre Einschlüsse freigegeben haben: Neue Prosatexte als funkelnde verborgene Bernsteine sind entstanden.

Ammar Awaniy: „Die Sultanin der Altmark “

„Das Spiel der Könige von Hindustan zum Harz“
„Das englische Wort für Bernstein „amber“ stammt vom Arabischen Wort ʿanbar عنبر , aus Mittelpersisch ambar und spiegelt sich auch in der Herkunft des Wortes Alhambra: ‚Der rote (Palast)‘ oder: Al-ḥamrāʾ (الحمراء ) geht wohl auf die rötliche Färbung der Außenmauern zurück, denn schon im 9. Jahrhundert ist von einer „roten Burg“ bei Granada die Rede.“ Die legendären Bernsteinstraßen verbanden immer schon Kulturen und Menschen in Süd und Nord wie die Seidenstraßen Ost und West. So fand auch das Schach-Spiel seinen Weg von Indien bis in den Harz und die Altmark.
Die Reise des Löwenkopfes von der Ostsee an den Orontes
Das Königreich von Qatna befand sich vor 3300 Jahren in der Nähe meiner Geburtstadt Homs in Syrien. Bereits zu dieser Zeit wurde Bernstein und Elfenbein zwischen Nord und Süd gehandelt, auch um Kunstgegenstände und Spielfiguren zu erschaffen. Der kleine Löwenkopf aus Bernstein im Königsgrab von Qatna, was kann er erzählen? Was hat das Königreich Qatna im alten Syrien mit der Ostsee gemeinsam? Wie kam Bernstein vom nördlichen Europa bis jenseits der Ufer des Mittelmeeres? Welche Geschichten und Mythen begleiteten die damaligen Kaufleute auf ihrer Reise in den Orient? Wie viele Tragödien ereigneten sich rund um Spiele der Macht und wieviel Träume platzten an den Hängen der Berge, bedeckt vom Schnee der Vergangenheit?
Schach dem Pascha
Der altmärkische Ritter von Jagow kam während der sogenannten Türkenkriege als Sklave an den Hof eines osmanischen Paschas. Die Tochter des Paschas verliebte sich in den deutschen Gefangenen und verhalf ihm zur Flucht. Zu dieser Zeit brodelte es in der Region vor religiösem Hass und Vorurteilen gegenüber Fremdem. Auf dem Wege nach Mitteldeutschland schien die Tochter eines osmanischen Sultans die lebendige Verkörperung eines Gegenstroms zu sein, einer Verheißung auf Güte, Vielfalt und Liebe.
Zurück in der Altmark lebte der Ritter „zweibeweibt“ mit seiner deutschen Gemahlin und der osmanischen zweiten Frau in Eintracht bis ans Lebensende. Warum floh sie mit ihrem deutschen Geliebten und was sah sie in ihm? Während seiner Teilnahme an den Kreuzzügen gegen die Sarazenen gefangenen genommen, arbeitete er als Sklave in den Gärten ihres Vaters. Doch was war anders? Warum entschied sich die Sultanstochter für den Ritter aus dem Norden, für den Sklaven-Gärtner aus der Altmark? Warum teilte sie Gefahren auf dem Wege der Flucht mit ihm, auf dem Wege, wo schon in alter Zeit Kaufleute Bernstein transportierten? Als die Prinzessin fortlief, ließ sie alles zurück - den König, Reichtum, Prestige und Macht - sie ließ alles zurück und nahm nur einen kleinen Schlüssel mit, ein Schach-Spiel, das die gesamte Politik der europäischen Königreiche erschüttern sollte. Ein Spiel der Macht aus Bernstein, für das Kriege und Konflikte stattfinden werden. Sie transportierte diese kleinen Schachfiguren, die aus rötlich-durchscheinendem Bernstein gearbeitet sind, im Reisegepäck vom Bosporus. Doch das Spiel barg nicht nur orientalische Pracht und Schönheit in sich. UND: hinter der hübschen Fassade der Sultanin schlummerten dunkle Geheimnisse!
Davon und wie es zum jährlichen Festessen für die Armen des Dorfes Aulosen kam, erzählt unter anderem diese Geschichte.

Schach in Ströbeck – Eine Spurensuche
Der lange Weg des „Spiels der Könige“ vom „fruchtbaren Halbmond“ bis zum Harz und in die Altmark.

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